Erlebte gefährliche Situation

In jüngeren Jahren erlebte ich einige bedrohliche, z.T. lebensgefährliche Situationen und Ereignisse in den Bergen. Bei diesen stand mir und auch meinen Bergkameraden wohl ein Schutzengel zur Seite und bewahrte uns vor dem Schlimmsten.

 

Am 08.03.1965 veranlasste mich ein mulmiges Gefühl im Bauch bei einer Schneewanderung zur Käseralpe im Oytal bei Oberstdorf, den sofortigen Rückweg anzutreten. Diese Entscheidung bewahrte meinen Freund Hanno und mich vor einem schweren Lawinenunglück. Hanno wollte sich noch ein Viertelstündchen an der warmen Hüttenwand der Käseralpe sonnen. Ich drängte zum sofortigen Aufbruch.

 

Auf dem Rückweg passierten wir eine lawinengefährdete Engstelle in der Talsohle unter den Steilhängen von Schochen, Laufbacher Eck und Schneck. Eine Viertelstunde später donnerte es hinter unserem Rücken. Wir drehten uns um und sahen eine große Lawine im Profil von dort oben um die 1000 Höhenmeter ins Tal über unsere Pfadspur hinweg in den Gegenhang rasen. Etwa zehn Minuten danach folgte die zweite Lawine, die ebenfalls bis in den Gegenhang raste. Danach folgte eine dritte Lawine, die nicht mehr ganz den Talgrund erreichte. Wir waren damals in bergsteigerischer Hinsicht noch sehr unerfahren und trauten einer Spur im Schnee zur Käseralpe. Mit der nötigen Erfahrung hätte ich diese Tour gar nicht angetreten oder wäre spätestens am Oytalhaus, das geöffnet hatte, umgekehrt.

 

1968 Beinahe-Absturz am Spraunzagrat in der Bernina als Vorausklettender. Ich rutschte beim Hochstemmen von einer schmalen Trittleiste auf eine höhere, etwas geneigte, nasse Felsstufe mit dem linken Fuß seitwärts weg, klatschte mit ausgestreckten Armen auf die Felsplatte und kam glücklicherweise gleichzeitig mit dem rechten Bergstiefel über einen Meter tiefer auf der schmalen Felsleiste auf. Dabei konnte ich mich gerade noch abfangen. Ich wäre sonst abgestürzt. Bergkameraden, die das Geschehen von oben mitbekamen, rechneten nicht damit, dass es mir gelingt, mich noch zu fangen.

 

Im Spätwinter 1970, der äußerst schneereich war, gingen große Lawinen in verschiedene Oberstdorfer Täler ab. Sie schlugen vor der Spielmannsau und im Oytal breite Schneisen in Waldbestände und beschädigten und zerstörten Alpgebäude (alte Untere Gutenalpe, Heustadel unter dem Wannenkopf-Westhang bei Gerstruben. Auch die Kapelle in Gerstruben wurde in Mitleidenschaft gezogen).

 

Etwa Mitte Mai 1970 ereigneten sich bei einer Skitour zum Wildenfeld im Oytal bei Oberstdorf kurz nacheinander drei Wandausbrüche am Seilhenker. Die Felsmassen stürzten in den tief verschneiten Abhang und rutschten als Lawinen aus Fels und Schnee über eine Skispur am Güterweg zur Käseralpe hinweg, der ich zu folgen gedachte. Ich war unter der Woche allein unterwegs.

 

Vor der (alten) unteren Gutenalpe, die ich durch eine große und breite Grundlawine aus dem Rauhenhalstobel zerstört vorfand und durch ein Almkreuz abgelenkt, geriet ich mit den Skispitzen übereinander. Dadurch riß der Gummi einer Steigfellbefestigung am rechten Ski ab. Die Reparatur beanspruchte einige Minuten. Als ich mich zum Weitergehen anschickte, ereigneten sich in etwa 400 Meter Entfernung vor mir die Wandausbrüche und dadurch ausgelösten Lawinenabgänge. Wäre mir nicht die Steigfell-Befestigung kaputt gegangen, hätte ich mich zum Zeitpunkt des ersten Lawinenabgangs in dem betoffenen Hangbereich befunden.

 

Juni 1968 Blitzeinschlag ins Gipfelkreuz des Großen Piz Buin während unserer Rast im Schneehang unterhalb des Kreuzes bei Nebel. Ich saß an oberster Stelle auf meinem Rucksack. Kameraden unterhalb von mir, die noch standen, bekamen einen leichten Stromschlag am Hinterkopf ab. Wenige Minuten zuvor hielten wir uns noch beim Gipfelkreuz auf. Von zwei fremden Bergsteigern, die sich noch auf dem Gipfelgrat in der Nähe des Kreuzes befanden, bekam einer eine heftigere elektrische Entladung ab. Er hatte danach starkes Kopfweh. Wir stiegen und kletterten angeseilt, so rasch es ging, abwärts. Gottseidank ging das Geschehen noch relativ glimpflich aus und blieb es bei diesem einzigen Blitzeinschlag.

 

1971 sehr schweres, nicht vorhersehbares Morgengewitter am 3606m hohen Similaun in den Ötztaler Alpen mit Graupeln, das in starken Schneefall überging, mit schier pausenlosen Blitzeinschlägen in die umliegenden Gipfel und Gratzacken während unseres Notabstiegs vom Similaunjoch durch die Eisbrüche des Marzellferners zur Martin-Busch-Hütte. Auf dem flachen Teil des Marzellferners kroch dann noch eine Wolke auf dem Gletscher, in der fortwährend Blitze aufflackerten, auf uns zu. Wir fanden keine Schutzmöglichkeiten, hielten an, legten das Seil ab und setzten uns unter Wahrung eines größeren Sicherheitsabstands ganz niedergeduckt auf die Rucksäcke, um das körperliche elektrische Feld so klein wie möglich zu halten. Damit versuchten wir das Risiko und die Wirkung von Blitzeinschlägen zu mindern. Gottseidank kam die Wolke wenige hundert Meter von uns entfernt zum Stillstand und löste sich später auf.

 

Wir hatten uns die Überschreitung von der Similaunhütte über den Similaun und die Marzellspitzen zur Hinteren Schwärze vorgenommen gehabt. Bis 06:00 Uhr morgens frühstückten wir bei schönstem Wetter auf dem Similaungipfel. Über uns strahlend blauer Himmel und Sonnenschein, tief unter uns herum ein Wolkenmeer. Wir stiegen ins Similaunjoch ab und begannen die westliche Marzellspitze südseitig auf dem Gletscher zu queren. Da kamen rasend schnell Wolken von allen Seiten hoch. Sie hüllten uns ein und es fing zu gewittern und heftig zu graupeln an. Eine Rückkehr zur Similaunhütte über den Gipfel, auf dem die ersten Blitze einschlugen, war zu gefährlich. Wir kehrten zum Similaunjoch zurück, eilten einer durch den starken Schneefall zunehmend verblassenden Spur im Schnee folgend, unterhalb der Similaun-Nordwand den teilweise zerklüfteten Marzellferner hinunter und stiegen auf dem flacheren, aperen Teil des Gletschers zur Martin-Busch-Hütte ab.

 

Ein befreundetes Ehepaar und dessen Sohn, die nur bis zum Similaungipfel mitgekommen waren, erreichten gerade noch rechtzeitig die Similaunhütte. Als sie die Hütte betraten, schlug ein Blitz in die Fahnenstange des nebenan befindlichen Gebäudes der italienischen Grenzpolizei ein. Sie machten sich große Sorgen um uns, weil wir geraume Zeit nach dem Gewitter nicht in der Similaumhütte auftauchten und die Meldung in der Hütte kursierte, dass eine Seilschaft hinter den Marzellspitzen infolge eines Spaltensturzes verunglückt sei. Deshalb stiegen sie noch einmal zum Gipfel auf, um nach uns Ausschau zu halten. Sie konnten uns nicht ausmachen, im frisch gefallenen Schnee keine Fußspuren entdecken und verbrachten die Zeit nach ihrer Rückkehr auf die Hütte mit bangem Zuwarten.

 

Auf der Martin-Busch-Hütte gab es damals noch keine Telefonverbindung mit der litalienischen Similaunhütte und noch keinen Hüttenfunk. Eine Verständigung des Personals und unserer Freunde auf der Similaunhütte war deswegen nicht möglich, dass wir die Martin-Busch-Hütte heil erreicht haben. Bei unangenehm kaltem Wind stiegen wir über den Niederferner zur Similaunhütte auf. Wir erreichten sie müde - aber auch froh darüber, dass wir das schwere Gewitter heil überstanden hatten.

 

Im Frühjahr 2009 verließen mich am Höhenglücksteig Teil 2 in der Fränkischen Schweiz nach einer anstrengenden Querung von leicht überhängendem Felsgelände wegen starken Schmerzen im rechten Schultergelenk die Kräfte. Ich konnte mich nicht mehr am Drahtseil festhalten und rutschte in meine im Drahtseil eingehängte Selbstsicherung. Dabei prellte ich mir etwas  Knie und Ellbogen rechts. Mit letzten Kräften hangelte ich mich zum Drahtseil hoch und schaffte gerade noch die letzten 4, 5 m. bis zum Ausstieg. Die Selbstsicherung bewahrte mich vor einem Absturz über mindestens 7, 8 Meter Höhe. Ich wußte damals noch nicht, dass ich an einem Impingement-Syndrom im rechten Schultergelenk mit perforierter und eingerissener Schultersehne sowie an einer zunehmenden Beschädigung und Entzündung des Schleimbeutels litt. Die danach erfolgten Röntgenaufnahmen offenbarten dies. Orthopädische Schmerzbehandlungen im Schultergelenk brachten vorübergehende Besserung. Im Nov. 2010 musste ich operiert werden. Seitdem verzichte ich auf Klettertouren und Klettersteige, zumal mir auch das linke Schultergelenk in den letzten Jahren zunehmend Beschwerden bereitete.  

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